Die Arbeiten für das neue
Album zogen sich aufgrund verschiedenster Ursachen sehr in die Länge. Insofern
kann man den Zustand des Annuvin-Studios, das sich ja in einer Art
kontinuiertlichem Umbauprozess befindet, nur schlaglichtartig beleuchten. Was hat
sich bis 2004 alles getan? Zunächst wurden beide PC´s aufgerüstet und mit je
einem Athlon XP2000 ausgestattet. Genervt von dem kryptischen Routing der
DSP-Factory baute Ingo sie in 2002 aus und installierte eine RME-Hammerfall
DIGI9652, die neben einer sagenhaft kurzen Latenzzeit auch den Ausbau auf nun 24
zur Verfügung stehende Audiokanäle beinhaltete. Letztere wurden aber im
weiteren Verlauf der Studioarbeit letztlich sekundär, da man sich entschloss,
in Zukunft den Mix und die Produktion auf die rein digitale Ebene zu legen und
auf analoge Effekte und Mixer zu verzichten. Für das neue Album wurden also nun
die Keyboards zunächst mit Midi eingespielt und editiert. Passte dann alles zur
Zufriedenheit, wurde die Keyboardspur direkt als Stereo-Wavedatei ins Cubase VST
aufgenommen und hier als normaler Audiotrack weiterverarbeitet. Die bisherigen
Limitierungen eines solchen Vorgehens durch Prozessorgeschwindigkeit und / oder
Festplattenkapazität waren mit dem vorhandenen System Geschichte. Der Vorteil
lag auf der Hand: mußte bisher beim analogen Abmixen jede Faderänderung zur
richtigen Zeit per Hand durchgeführt werden, konnte unter VST nun ein Mix in
einem kontinuierlichen Arbeitsprozess entstehen und abgespeichert werden. Dies
ermöglicht, auch Tage nach dem Endmix noch einmal den Song aufzurufen, um
marginale Dinge zu ändern, die eventuell aufgefallen waren. Der Mix bleibt wie
er ist, das Detail ist behoben und alles sonst ist unverändert. Bisher hieß
jede Änderung nach ein paar Tagen, den kompletten Mix noch einmal machen zu
müssen.
Dieser Umstieg auf die totale
Digitalisierung brachte auch einiges an Hardwareänderung mit sich: neben der
bereits erwähnten Aufrüstung der PC´s wurden noch ein paar Plug-Ins benutzt.
Der virtuelle Drumcomputer "Battery" gehörte ja bereits zur
Ausstattung und wurde nun Standard-Drummachine. Hinzu kamen ein
Virtuell-analoger Synth (Pro 52) und diverse VST-Effekte. Die Fostex-Wandler mit
20 Bit wurden durch zwei 24 Bit Behringer ADA 8000 ersetzt, zusätzlich wurde
der Gesang über einen Ultravoice (VX2496) digital aufgenommen.
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Das Annuvin-Studio kurz nach Fertigstellung der
"House Of Mind". |
Auch wenn es Ingo schwer fiel:
man mußte sich eingestehen, dass das bisherige Hauptmischpult, das Behringer
MX8000 für die noch verbliebenen Aufgaben überdimensioniert war. Es wurde
praktisch nicht mehr gebraucht und daher verkauft (nach über 8 Jahren treuen
Diensten im Studio). Das kleine MX 2442 übernahm die verbliebenen Aufgaben, der
von diesem Pult bisher übernommene Keyboardmix (ja nun nicht mehr in Gänze
für das Abmischen nötig) wurde zwei Behringer RX 1602 übertragen.
An der Auswahl der Keyboards
gab es keine Änderungen. Zum einen traten diese sowieso in der Produktion mehr
in den Hintergrund (wenn schon dann kaufen wir uns einen virtuellen Synth), zum
anderen war auch Live das Keyboard schon lange nicht mehr Hauptinstrument. Bei
den Gitarren hielten zwei neue Klampfen Einzug: eine zwölfsaitige Danelectro
ersetzte die Vester und für gutes Rhythmuswerk sollte eine B.C.Rich
Kerry-King-V sorgen.
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Der Hauptarbeitsplatz und die Gitarren im
Annuvin-Studio. |
Live brauchte man jetzt nur
noch zwei Racks mitzunehmen: im einen befanden sich die neue Playbackmaschine,
ein Alesis HD 24, der es möglich machte, nicht nur die Playbacks abzuspielen
(hierfür brauchte man inzwischen sieben Spuren), sondern bei Bedarf
gleichzeitig auf sechzehn Spuren mitzuschneiden. Mit diesem Gerät wurde
(allerdings bei Einsatz des Fostex VR800 als Plaxbackgerät) im Elfenbein das
Konzert für die "Ivory" mitgeschnitten. Im Alesis-Rack befinden sich
dann noch der Samson-Mixer und das Quadraverb für die Vocals. Dieses Rack steht
am Mainmix bei Pete. Das zweite Rack befindet sich auf der Bühne und beinhaltet
zwei 4-fach DI-Boxen, die Funkanlagen für Mikro, Playbackübertragung,
In-Ear-Monitoring und Gitarre sowie einen Signalprozessor für das Funkmikro und
einen 16-Kanal Fostex-Mixer. Hier kann sich Ingo seinen In-Ear-Mix selbst
zusammenstellen, da alle Signale der Band bereits in den DI-Boxen gesplittet und
damit abgegriffen werden.
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Das Rack am Mainmix mit dem Alesis HD24 (oben) |
Das Bühnenrack mit den DI-Boxen und den Funkanlagen |
Wie wurde die "Ivory"
jetzt aufgenommen? Es wurden die digitalen Spuren des Fostex-Playbacks direkt
per Lichtleiter in den Alesis übertragen (ADAT-Format). Die restlichen acht
Spuren wurden belegt mit: Main Vocal, Backing Vocal, Gitarre Heiko, Gitarre
Ingo, Gitarre Thorsten, Keyboard Tommes, Keyboard Ingo und Saalmikro. Wie im
Booklet der "Ivory" bereits beschrieben, wurden keine Overdubs oder
Korrekturrecordings an den eigentlich aufgenommenen Signalen durchgeführt. Es
wurden zunächst die Spuren digital ins Cubase VST übertragen, um die
Bearbeitungsmöglichkeiten zu erweitern. Dann wurde zunächst ein Rohmix des
gesamten Konzerts angefertigt, um einen gewissen Überblick über den Grundmix
zu bekommen. Die Bearbeitung der Instrumentalspuren betraf in erster Linie die
Laustärkeverhältnisse und Lautstärkewechsel, da die Aufnahme Pre-Fade erfolgt
war. Es waren also keine Mixereinstellungen und -eingriffe des Live-Mainmixers
mit aufgenommen worden. Insofern mußten ständig Lautstärken der Instrumente
angepasst werden, um das Gesamtbild des Songs zu verbessern. So wurde nun jeder
Song einzeln editiert. Dann wurden die Gesangsspuren genommen und deutlich
komprimiert (man hört das hier und da im Mix, wenn sich in kurzen Gesangspausen
der Klang der Drummachine verändert, da hier der Monitorsound über das
Gesangsmikro mit aufgenommen wurde. Auch das Zischen der Nebelmaschine ist hier
und da über das Gesangsmikro zu hören). Das Backingmikro wurde natürlich nur
in den benötigten Phasen eingeblendet, ebenso das Saalmikro nur vom Songende
bis zum Anfang des nächsten Songs. Auch hier wurden noch Lautstärken
angepasst. Schließlich wurden die Vocals in den Gesamtmix integriert, mit
Effekten versehen und auch die Gesamtsumme leicht verhallt. Das Ergebnis ist ein
sehr authentischer Live-Mitschnitt, der gerade auch durch die nicht korrigierten
kleinen Ungenauigkeiten während des Konzerts lebendig und ehrlich wirkt. Und
genau das sollte es sein!
Die Aufnahmen für die
"House Of Mind":
Die "House Of Mind"
wurde, wie oben bereits beschrieben, mit Cubase VST 5.1 aufgenommen. Der
gesamte Mix entstand auf digitaler Ebene, der Behringer-Mixer 2442 wurde für
die eigentliche Recordingtätigkeit praktisch nicht mehr gebraucht. Sämtliche
Spuren wurden entweder direkt über die Hammerfall ins Cubase eingespielt oder
(bei den Hardware-Synths) zunächst als Midifile aufgenommen und dann für den
Mix zu einer Wave-Datei Re-Recorded. So wurde der Endmix nur mit reinen
Wavedateien vorgenommen, die Midi-Dateien waren zu diesem Zeitpunkt schon
stummgeschaltet.
Bemerkungen zu den Songs
im Einzelnen:
"Innocence":
Hier hat Ingo Heikos Thema von "Believe" aufgegriffen und ein Intro
daraus gemacht. Neben den Effekt- und Synthspuren wurde das Picking mit der
12-saitigen Danelectro eingespielt, die verzerrten Riffs stammen von "Believe".
Die Bratsche hat Thorsten Lawrenz, der dieses Instrument früher mal erlernt
hat, über das Studiomikro eingespielt.
"Believe":
Der Song ist eine Komposition von Heiko Wersing. Er hat auch fast alle
Gitarren und Synths eingespielt und arrangiert. Thorsten hat zwei zusätzliche
Gitarrenspuren beigesteuert / ersetzt, Ingo hat neben dem Gesang am Endmix
mitgewirkt.
"Falling":
Die Gitarren wurden von Ingo und Thorsten eingespielt, die Synth-Sequenz am
Anfang ist ein Sound des Plug-Ins Pro52 von NI, es ist aber kein Arpeggiator
im Einsatz, sondern die Sequenz hat Ingo direkt über das Keyboard
eingespielt. Das Gitarren-Solo teilt sich auf in einen eher simplen "wavigen"
Teil (von Ingo) und einen eher Rock-Metal-Teil (von Thorsten).
"House Of Mind":
Ein uralter Song von The Escape, er war auf dem "Marionettes"-Tape.
Über acht Gitarrenspuren, insgesamt fast 36 Spuren im Mix haben die
Rechenpower des PC´s an den Rand der Dekompensation gebracht. Aber es ging
gut! Ingo hat beide Gesangsstimmen, tief und hoch, selbst eingesungen.
"Stranded":
Diesen Song hat Ingo zunächst nur in einer reinen Piano-Version eingespielt,
die weiteren Instrumente wurden nach und nach im Arrangement hinzugefügt. das
Piano ist daher auch das einzige komplett durchgehende Instrument in dem Song.
"The End Of
Days": Sämtliche Synths stammen aus Plug-Ins wie JX16, Pro52 und
Halion. Das Gitarrenriff umfasst allein 4 Spuren, die Gesangsstrophe wurde mit
einem Verzerrer bearbeitet, im Refrain wurde der Gesang oktaviert eingesungen.
Der Flanger-Part wurde erst kurz vor dem Mastering noch eingesetzt, gespielt
von Thorsten über POD XT.
"Flames":
Wieder ein alter Song (vom ersten Demo-Tape) im neuen Gewand. Die
ursprüngliche Synthie-Ballade mutierte zu einer Goth-Rock Hymne. Die
Akustik-Gitarre, gespielt von Thorsten, wurde erst sehr spät in den Song
integriert, ebenso wurde der ursprüngliche Synth-Bass durch einen echten Bass
ersetzt.
"My Sister Devil
Angel": Die Musik zu diesem Song hat Ingo fast im Alleingang
aufgenommen, der Rest der Band beteiligte sich an Arrangement und Mix. Basis
sind zwei Spuren mit Akustik-Gitarre, die z.T. gleiche Akkorde in
unterschiedlichen Griffbildern intonieren. Das Synth-Thema stammt vom CS1x.
"Coming Home":
Ein Song, komponiert von Thorsten Lawrenz. Er spielte das Thema und den
Großteil der Gitarren ein, der Rest der Band vervollständigte Arrangement
und Mix. Es war einer der ersten Songs für das neue Album, mit denen begonnen
wurde und es war der letzte, der fertig wurde.
"I Will Follow":
Reichlich Gitarrenspuren mit unterschiedlichsten Effekten und
Verzerrungsgraden wechseln sich hier ab. Die Gesangseinstellungen für Strophe
und Refrain sind hier völlig unterschiedlich in Equalizing und Effektauswahl.
Den Hintergrundchor der Strophe stellt der CS1x, andere Sounds sind vom Alesis
QS8.1.
"Nell": Nach
Aussage von Ingo der arbeitsintensivste und ausgefeilteste Song des Albums.
Die Grundgitarre am Anfang ist eine Les Paul, sie wird durch die 12-saitige
Danelectro ergänzt. Die Bassgitarre ist, wie bei fast allen anderen Songs
auch, ein "echter" E-Bass, die verschiedenen Themen werden zwischen
Bass und der 12-Saitigen hin- und hergereicht. Dazwischen Samples des alten
Spielfilms "The Haunting". Das langgezogene Gitarrensolo ist eine
Sustain-Meisterleistung von Thorsten Lawrenz.
"Believe" Remix:
Heiko hat, als er der Band seinen neuen Song vorgestellt hat, diesen gleich in
zwei Versionen abgeliefert. Die Band entschied sich, beide Versionen zu
veröffentlichen. Bis auf geringe Änderungen im Arrangement und Ingos Gesang
ist dieser Remix allein Heikos Arbeit.
An dieser Stelle auch vielen
Dank an Tina Arensmann von der Band "Chord Of Souls", die die Texte
zu "Stranded" und "My Sister Devil Angel" beigesteuert
hat.