Inzwischen
liefen Überlegungen, wie denn das nächste Album aufgenommen werden könnte.
Einerseits war der Studioaufenthalt für die „Every Tear Dries“ nicht gerade
billig gewesen, andererseits hatten THE ESCAPE auch eine Menge Urlaub dafür
opfern müssen. Es kam also die Idee auf, mit einem eigenen Studio unabhängig
von Urlaub oder ganztägiger Arbeit das Album Schritt für Schritt, gewissermaßen
nach Feierabend, selbst zu produzieren. Man einigte sich mit dem Label auf einen
Vorschuß, der dann aus eigenen Mitteln aufgestockt wurde. Hiervon wurden ein
PC-gestütztes 8-Spur-System und ein Mischpult, sowie die noch benötigte
essentielle Peripherie gekauft. Das Harddisk-Recording System war ein Digidesign
Session 8 mit 882 Interface, das auf einem (damals gar nicht so langsamen)
Pentium 90 PC lief. Das Ganze war über Midi-Clock mit dem Atari STE verbunden,
wobei der Atari als reiner Sequencer als Slave lief. Die Analogsignale der
Keyboards wie die Analogoutputs des Session 8 liefen in das neue Mischpult
(Behringer MX 8000), wo neben den beiden Quadraverbs inzwischen noch ein Zoom
1204 und ein Behringer Composer seinen Dienst tat. So entstand sachte und gründlich
in über 10 Monaten Arbeit das Album „Amaryllis“ und die E.P. „Anthem“.
Den nun zum Mini-Studio herangereiften Proberaum nannte man „Annuvin-Studio“.
Soundgebend
für das Album waren insbesondere der K4 (z.B. Themasound bei „Over The
Mountains“, der Alpha-Juno (Flächensound bei „The Eyes Of The Amaryllis“
und diverse Bass-Sounds) und die Korg 01R/W (viele Strings, Flächen oder Chöre).
Die Pianoversionen auf der „Anthem“ spielte Ingo auf einem Wersi Grand Piano
ein, welches man sich für diese Aufnahmen ausgeliehen hatte.
Das
"Annuvin Studio" 1996 bei den Aufnahmen zur
"Amaryllis". Auf dem Keyboardständer: Alpha Juno 2, Kawai K4
und Döpfer LMK 3. Hauptmixer ist das Behringer MX8000, links neben den
Keyboards steht der Atari-Monitor, der PC im rechten Winkel links davon.
Die
Drums kamen ausnahmslos vom RM50, Vocalverfremdungen besorgte das Zoom1204. Die
Gitarrensounds entstammen fast alle dem Zoom 4040, nur einige sind vom Roland
GP16. Gespielt wurde die Fenix-Strat (z.B. bei „Time Of Tension“ oder
„Lost In Heaven“), die Vester 12-String (bei „Danced“) und Ingos neue
Epiphone Les Paul (bei „Destination“ oder „Devotion“).
Das
Album und die E.P. wurden in einem professionellen Masteringstudio (Time Sound
Studio, Geldern) gemastert.
Bei
der Tour mit S.P.O.C.K. und Statemachine hatten THE ESCAPE wieder das inzwischen
bewährte DAT als Semiplaybackmaschine, Heiko spielte nach wie vor seinen D10,
die inzwischen auf die 3 Dynacord-Pads abgespeckten Drums triggerten direkt den
Yamaha RM50 an. Ingo war immer noch der Meinung, dass er mit weniger als drei
Tastaturen völlig unterfordert
sei, und verschanzte sich beim Keyboardspiel hinter LMK 3, Kawai K4 und der
neuesten Errungenschaft, einem Yamaha CS1x (der Alpha-Juno hatte hier weichen müssen...).
Im Rack befanden sich außerdem noch neben dem RM50 die Korg 01R/W und
(ebenfalls neu) ein Alesis S4 Quadrasynth. Für Eltens Gesang wurde ein speziell
mit den benötigten Delays programmiertes Quadraverb mitgenommen, welches
Mischer Pete am Mainmixer installierte. Die Gitarren liefen über die Line-out
Ausgänge ihrer Effektgeräte (Heiko: Roland GP 16, Ingo: Zoom 4040), eine
Backline im eigentlichen Sinne gab es nicht.
Die
Verkabelung vor jedem Auftritt war eine Wissenschaft für sich, mit jedem Gig
ging´s aber flotter und routinierter vonstatten.
Nach
der Tour wurde wieder an neuen Songs gebastelt. Der Arpeggiator des CS1x lud zum
Experimentieren ein, so entstand auf der Basis eines solchen Arpeggios der Song
„Inside“.
Für
die gleichnamige E.P. wurden zwei Versionen aufgenommen, zusätzlich eine
Pianoversion von „A Normal Day“ (leider nur mit dem Piano-Sound der 01R/W,
was sich qualitativ bemerkbar macht...) und neben einer Neufassung von „On The
Edge“ eine nicht ganz ernst gemeinte Version von „Never“, in der gnadenlos
die gerade hippen TR808 und 909 Sounds des CS1x verwurstet wurden. Aber gut ab
ging´s schon....
Auch
im Annuvin-Studio hatte sich etwas getan. „Inside“ wurde nicht mehr auf dem
Atari programmiert, sondern mit Cubase Audio XT auf dem inzwischen auf 200MHz
aufgerüsteten PC. Cubase Audio XT war in der Lage, neben den Sequencerdaten die
Audiodaten des Session 8 direkt einzubinden und grafisch darzustellen; heute
selbstverständlich, damals eine ungeheure Erleichterung. So wanderte der Atari
erst in die Ecke und dann in einen Schrank, wo er noch heute ruht...
1998
wurde auch im Live-Equipment umgerüstet. Ingo tauschte den K4 gegen einen K4R (Rackversion),
der nun zuhause blieb und auch der CS1x wurde nicht mehr mitgenommen. Statt
dessen zierte jetzt neben dem LMK3 ein Roland JV 90 den (nun doch) auf 2 Ebenen
geschrumpften Keyboardständer. Angesichts der Tatsache, dass Ingo live bei
inzwischen mehr als der Hälfte der Songs Gitarre spielte, war der Aufwand,
jedesmal 3 Keyboards mit Audio- und Midi zu verkabeln (Das LMK3 steuerte sämtliche
Programmwechsel und Controllerdaten) einfach nicht mehr gerechtfertigt. Heiko
investierte in einen Roland XP 50, der den D10 ergänzte / ersetzte. Mit diesem
Setup gingen THE ESCAPE im Frühjahr 98 auf Tour mit den Dreadful Shadows.
Wesentliche Änderung war außerdem, dass Heiko seinen Gitarrensound mit einem
Hughes&Kettner Tubeman auf einen echten Röhrensound umstellte.